Deutscher Filmpreis 2013

NO TRANSLATION PLEASE!

Barbara Schöneberger moderierte. Ein Gag jagte den anderen. Große Heiterkeit im Saal. Da sage nochmal einer, wir Deutsche hätten keinen Humor. Besonders gelacht wurde über den Witz, dass man den Filmpreis, um den internationalen Touch herauszustreichen, in „Golden Lola“ umbenennen sollte, was dann aber unser Außenminister nicht kapieren würde, denn der kann ja angeblich kein Englisch. Wir aber können Englisch. Ach, war das lustig. Nur unsere Bundeskanzlerin lachte nicht. Womöglich hat sie den Witz nicht verstanden. Köstlich. Wie schön, dass wir uns wieder einmal gegenseitig bestätigen konnten, wie polyglott und kosmopolitisch wir Filmschaffenden doch sind, im Gegensatz zu den Politikern, vorneweg Westerwelle, den piefigen Provinzlern. Aber dann passierte etwas Seltsames. Eine englischsprachige Künstlerin betrat die Bühne, und was sie uns zu sagen hatte, wurde per Lautsprecher sofort ins Deutsche übersetzt. Für wen? Für die 2,16 Millionen Fernsehzuschauer, von denen man offensichtlich annahm, dass sich ihre Englischkenntnisse auf dem Niveau von Guido Westerwelle bewegen, wenn nicht gar darunter? Dann hätte man das nur für die Fernsehübertragung tun sollen, aber doch nicht für uns Anglophile im Saal. Eben hat man sich noch über Westerwelle lustig gemacht, und nun das. War schon ein bisschen peinlich. Oder hängt es vielleicht damit zusammen, dass die Organisatoren der Feier glaubten ,auch unsere Englischkenntnisse bewegen sich nur auf dem Niveau von Guido, wenn nicht gar darunter? Dem müssen wir entschlossen entgegentreten. Daher bitte während der Feier keine Übersetzungen mehr aus dem Englischen. Und auch bei den englischsprachigen Filmen aus der Kiste, die mit deutschen Untertiteln versehen sind, müssen diese sofort verschwinden. Das haben wir doch nicht nötig, gell? Natürlich besteht die Gefahr, dass dann einige, etliche oder sogar viele, genauso wie Guido, nichts kapieren. Aber da müssen wir jetzt durch. Wer A sagt, muss auch B sagen. Und dann is everything in butter.

Hartmann Schmige